Kartoffeln richtig ziehen

… eigentlich ganz einfach …       

Botanischer Name: Solanum tuberosum

Selbst gezogene Kartoffeln schmecken viel besser als im Laden gekaufte – diesen Hinweis meiner Mutter habe ich früher für etwas übertrieben gehalten. Ich wurde aber eines Besseren belehrt. Hiermit ist jedoch nicht gemeint, dass selbstgezogenes Gemüse grundsätzlich besser schmeckt, weil man es selbst gezogen hat – nein, es gibt tatsächlich geschmackliche Unterschiede.

Zudem ist inzwischen eine große Fülle an Kartoffelsorten auf dem Markt, die für eine Weile verschwunden waren und im Zuge der Slow-Food-Bewegung wieder auftauchten. Beispiele hierfür sind die alte französische Sorte ‚La Ratte‘ oder die leicht bizarre ‚Vitelotte‘ mit dunkelblauen Knollen. Wollt Ihr eure Gäste mal mit blauem Kartoffelpüree verblüffen? Kein Problem, ganz ohne Lebensmittelfarbe.

Garten-Anfänger erhalten oft den Tipp, zuallererst den ganzen Garten voller Kartoffeln zu pflanzen. Erst im zweiten Jahr soll dann die Anlage von Beeten, Rasen etc. erfolgen, da dies „gut gegen das Unkraut“ sei. Nun ist es nicht so, dass die Kartoffeln selbst das Unkraut vergraulen – aber das Anbauen von Kartoffeln ist mit einer Menge Graberei verbunden. Das macht den Boden schön locker und man macht dabei unweigerlich einer Menge Unkraut den Garaus.

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Diese Sorten können wir empfehlen:

Vor der Auswahl der Sorten muss man sich entscheiden, ob man lieber festkochende oder mehlige, frühe oder späte Kartoffeln ernten will. Eine Übersicht über alle Varianten findet Ihr hier.

Pflanzung und Pflege

Je nach Art und Klima ab Ende März/Anfang April bis Anfang Mai.

Gepflanzt werden kann ab einer Bodentemperatur von +8°C. Da wir normalerweise nicht mit Thermometer bewaffnet im Garten herumlaufen, holen wir uns diese Info beim Deutschen Wetterdienst: http://www.dwd.de/DE/fachnutzer/landwirtschaft/2_agrarwetter/2_2_2_karte_dl.html

Vor der Pflanzung empfiehlt sich das Vorkeimen. Am einfachsten geht dies in leeren Eierkästen an einem hellen kühlen Fenster bei 10-15°C. Die Knollen können nach ca. 4 Wochen Vorkeimen gepflanzt werden und wachsen dann besser.

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Beim Vorkeimen bekommen die Kartoffeln kräftige kurze Knospen

In einem Beet mit lockerem, möglichst unkrautfreiem Boden mit der Hacke eine 5-8cm tiefe Furche ziehen, in die Furche Kompost oder Hornmehl geben. Auch gut: Furche mit Holzasche oder Algenmehl stäuben, beide sind besonders Kali-reich, welches für gesunde Knollen sorgt.

Bei jeder Knolle schauen, wo die meisten Augen sind, mit dieser Seite nach oben in die Furche legen, wieder mit Erde bedecken.

Abstand zwischen den Knollen: 35-40cm
Abstand zwischen den Reihen: 60-70cm, werden Kartoffeln in Mischkultur gepflanzt 100cm.

Bei früh gepflanzten Kartoffeln sicherheitshalber Garten-Vlies bereit halten, falls es nochmal kalt wird.

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Pflege

Wenn die Kartoffelstängel 15-20cm aus der Erde schauen, anhäufeln, d.h. mit einer Hacke die Erde zu den Pflanzen hinziehen.

Das Anhäufeln verhindert, dass Knollen, die zu nah an der Erdoberfläche wachsen, grün werden – und es steigert den Ertrag.

Gute Nachbarn: Kapuzinerkresse, Ringelblumen und Spinat sollen das Aroma verbessern, Tagetes sollen mit ihrem Geruch Kartoffelkäfer abhalten.
Schlechte Nachbarn: Gurken und Kürbisse, Paprika und Tomaten (Tomaten und Kartoffeln können sich gegenseitig mit Krautfäule anstecken).

Tipp: Kartoffeln kann man auch auf Balkon und Terrasse ziehen. Hierfür benötigt man große Kübel. Man füllt den Kübel zunächst mit ca. 20cm Erde und legt eine oder mehrere Saatkartoffeln hinein. Eine Kartoffel braucht ca. 10cm Platz nach allen Seiten. Dann mit ca. 5 cm Erde bedecken. Sobald die Stängel 10-15cm hoch sind, mehr Erde in den Kübel füllen, so dass nur noch die Triebspitzen der Pflanze herausschauen. So oft wiederholen, bis der Kübel mit Erde gefüllt ist. So werden zwar keine Rekordernten erzielt, aber bei dieser netten Spielerei springen doch ein paar Mahlzeiten heraus – und für Stadtkinder ist es allemal interessant zu sehen, wie Kartoffeln wachsen.

eventuelle Probleme

Krautfäule:

Kommt in manchen Jahren vor und kann unter Umständen die ganze Ernte vernichten. Vorbeugend die Kartoffeln vorkeimen lassen und dann so früh wie möglich pflanzen und ernten – hoffentlich bevor sich die Krautfäule ausbreitet.

Kartoffeln und Tomaten so weit wie möglich voneinander entfernt pflanzen.

Sollte die Krautfäule im Garten angekommen sein: Bei den ersten Anzeichen die Kartoffeln sofort ernten, auch wenn die Knollen noch klein sind. So verhindert man, dass der Pilz die Knollen ungenießbar macht.

Kartoffelkäfer:

Regelmäßig die Blätter kontrollieren: sitzen dort kleine, dicke, rote Wesen, dann sind dies die Larven der Kartoffelkäfer. Sofort absammeln und vernichten. Auch die Käfer selbst lassen sich absammeln, sie sind gelb mit schwarzen Streifen. Ebenfalls möglich: mit Pyrethrum-haltigem Mittel spritzen.

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Ernte, Verarbeitung, Lagerung

Ernte nach 3-4 Monaten, je nach Sorte.

Frühkartoffeln kann man ernten, während das Laub noch grün ist. Sobald die Knollen groß genug sind ist es so weit. Da sich Frühkartoffeln meist nicht so gut lagern lassen, ist es besser, sie etappenweise zu ernten.
Mittelfrühe und späte Kartoffeln sind ausgereift, wenn das Laub verdörrt und sich die Schale von den Knollen nicht mehr mit dem Daumen abreiben lässt. Nur ausgereifte Kartoffeln lassen sich gut lagern.

Kartoffeln stets an sonnigen, trockenen Tagen ernten – am besten morgens und tagsüber in der Sonne nachtrocknen lassen, damit die Erde an den Knollen gut abbröckelt.

Lagerung: In kalten, gut belüfteten Räumen bei maximal 4-9°C. Wichtig: Dort muss es dunkel sein, sonst vergrünen die Kartoffeln. Die grünen Stellen sind dann giftig.

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